Eine Denkschrift zum Grundschulalltag

Grundschulalltag zwischen Theorie und Praxis

Eine Denkschrift

Verfasst von Schulleiterinnen und Schulleitern von 25 Grundschulen im Kreis Ahrweiler

 

Wir alle lieben unseren Beruf. Wir sind mit Leib und Seele Schulleiter und Schulleiterinnen. Aber wir betrachten die derzeitige Entwicklung mit Sorgen und können sie nicht länger stillschweigend akzeptieren.

 

Wenn wir nicht gefragt werden, wollen wir wenigstens gehört werden.

 

Wertschätzung ist das, was wir täglich unseren Schülern und Schülerinnen entgegenbringen. Wir denken, dass wir ebenfalls ein Anrecht auf Wertschätzung besitzen.

 

Der neue ORS bietet uns eine Menge an Chancen, den Schulalltag erfolgreich zu gestalten. Allerdings benötigen wir als Grundschulen dazu auch die nötigen Ressourcen. In großer Sorge wenden wir uns an die rheinland-pfälzische Landesregierung.

 

Wir wollen ihr hiermit einen realistischen Einblick in unseren Schulalltag vermitteln, der sich in den letzten Jahren drastisch verändert hat. Unsere Absicht ist es, einen konstruktiven Prozess anzustoßen, mit dem Ziel, dass die berechtigten Anliegen der Grundschulen mit ihren vielfältigen Herausforderungen in adäquater Weise unterstützt und zukunftsfähig gemacht werden.

Grundschule ist immer Gesamtschule und zunehmend „Schwerpunktschule“, auch ohne als solche ausgewiesen zu sein. Daher sollte eine Gleichstellung mit den anderen Schulformen unter den folgenden Aspekten erfolgen:

  • Eine Grundversorgung an LWS, die es jeder Schule ermöglicht, mindestens eine 100%ige Unterrichtsversorgung zu gewährleisten (der Sockelbetrag oder der 0.38-Faktor pro Schüler muss angehoben werden).
  • Eine zusätzliche LWS-Zuweisung, die jeder Schule einen angemessenen pädagogischen Gestaltungsspielraum bietet und die über die zuletzt ständig gekürzten Poolstunden hinausgeht, um den stetig wachsenden Anforderungen gerecht werden zu können (Inklusion, zunehmende Beschulung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf an der Regelschule, höherer Förderbedarf durch die Auflösung von Schulkindergärten, Förderung von Kindern, die in den Bereichen Sprache, Motorik und Sozialverhalten immer deutlicheren Entwicklungsrückstand zeigen). So könnten wir auch Formen kollegialer Zusammenarbeit, wie z.B. gegenseitige Hospitationen, Team-Teaching u.a.m., im Interesse einer qualitativen Unterrichtsentwicklung implementieren.
  • Die Integrierte Förderung findet an den meisten Grundschulen kaum oder gar nicht statt. Selbst an den personell besser ausgestatteten Schwerpunktschulen fehlen die Förderschullehrkräfte. Hier reicht eine alleinige Beratung durch die Förderschulen nicht aus.
  • Das Portal zur Überprüfung des sonderpädagogischen Förderbedarfs sollte ganzjährig geöffnet sein, um im Interesse der betroffenen Kinder zeitliche Verzögerungen zu vermeiden.
  • In den letzten Jahren waren die sogenannten „Feuerwehrlehrkräfte“ de facto nicht verfügbar, da sie ständig an einzelnen Schulen festgesetzt wurden, um dort längeren Vertretungsbedarf zu decken. Daher halten wir es für unerlässlich, dass an jeder Grundschule eine verlässliche Vertretungsreserve unmittelbar verfügbar ist. Dadurch lässt sich das für alle Beteiligten unbefriedigende Zusammenlegen oder Aufteilen von Lerngruppen vermeiden und der tatsächlich vorhandene Unterrichtsausfall reduzieren.
  • Für die nachhaltige Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, sowohl Flüchtlings- als auch Zuwandererkinder aus der EU, benötigen die Schulen eine ausreichende und kontinuierliche Sprachförderung, die nicht nach einem Jahr beendet ist und die sich nach dem tatsächlichen Bedarf richtet.
  • Zurzeit gibt es zu wenige Anrechnungsstunden, sowohl für die Schulleitungen mit ihren vielfältigen Aufgaben (insbesondere die deutliche Zunahme von Beratungsgesprächen mit den verschiedensten Kooperationspartnern) als auch für die Kollegien. Im Vergleich zu den weiterführenden Schulen, wo dies gängige Praxis ist (für wichtige Projekte wie z.B. Streitschlichterprogramme, Schülerparlament usw.) sind wir Grundschulen hier eindeutig benachteiligt.
  • Die Rahmenbedingungen der schulischen Ausstattung, die durch die Schulträger finanziert wird, unterscheiden sich von Ort zu Ort erheblich, wie z.B. Sekretärinnen- und Hausmeisterstunden, Schulsozialarbeit, schulische Budgets, Ausstattung mit neuen Medien, Investitionen in Schulgebäude und deren Instandhaltung. Diese Situation gefährdet die Chancengleichheit unserer Schüler und Schülerinnen. Wünschenswert ist hier eine Angleichung an die Schulen in Kreisträgerschaft.
  • Da sich bereits im Studiengang „Lehramt Primarstufe“ ein dramatischer Lehrkräftemangel abzeichnet, muss der Lehrerberuf deutlich aufgewertet und attraktiver gestaltet werden. Dazu gehört für uns auch eine gleichberechtigte Bezahlung nach A 13, ähnlich unserer Kollegen an den Realschulen plus. Es ist zudem für viele junge Kollegen und Kolleginnen unerträglich, jahrelang in einem immer wieder neu befristeten Angestelltenverhältnis arbeiten zu müssen. Aus diesem Grund gibt es schon jetzt eine starke Abwanderungsbewegung in benachbarte Bundesländer mit dem Ergebnis, dass die personelle Grundversorgung an vielen Schulen oft nicht mehr gewährleistet ist.

Wir Schulleiterinnen und Schulleiter sehen durchaus die positiven Änderungen in der rheinlandpfälzischen Bildungspolitik, wie etwa die Senkung der Klassenmesszahl und die flexiblere Gestaltung der Zeugnisse.

 

Es geht uns zudem nicht darum, unsere Zusammenarbeit mit der Schulaufsicht zu kritisieren, sondern Missstände offen zu legen, die nur von politischen Entscheidungsträgern (im Ministerium) verändert werden können.

 

Daher hoffen wir auf weitere Verbesserungen der Rahmenbedingungen, um die immer anspruchsvollere Bildungs- und Erziehungsarbeit an unseren Grundschulen auch zukünftig angemessen leisten zu können.

 

(aus: VBE, Rheinland-pfälzische Schule 10/2017, Seite 8-9)

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Offener Brief

Offener Brief an alle Schulleitungsmitglieder!

Werte Kolleginnen und Kollegen in den Schulleitungen, liebe Mitglieder des SVR,

der Schulleitungsverband Rheinland-Pfalz arbeitet nun seit einigen Jahrzehnten für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen des Leitungshandelns in unseren Schulen.

Einige Verbesserungen konnten schon erreicht werden, aber die enorme und permanente Zunahme von weiteren Arbeitspflichten ohne die zugehörigen Ressourcen (Zeit!!) zeigt deutlich, dass unser Einsatz wichtiger denn je ist.

Wir, der Vorstand des SVR, suchen regelmäßig die Gespräche mit allen Bildungspolitischen Entscheidungsträgern im Landtag, im Bildungsministerium und in der ADD. Wir pflegen Kontakt zu anderen Verbänden (sofern sich unsere Ziele gut ergänzen), zum LEB und zu den Fortbildungsinstituten.  Wir fertigen Stellungnahmen zu Änderungen in den gesetzlichen Rahmenvorgaben und diskutieren darüber mit den Verantwortlichen.

Die Ergebnisse unserer Arbeit finden Sie auf unserer Homepage.

Wir veranstalten unseren Schulleitungstag regelmäßig und bekommen von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen stets sehr gute Rückmeldungen dafür.

 

Nun zeichnet sich allerdings seit geraumer Zeit ein großes Problem ab und wir sind in einem ernsten Dilemma:

Gerne wollen wir weiterhin für unsere gemeinsamen Ziele arbeiten …, aber dafür brauchen wir nun Ihr Engagement!

Unser Vorstand wird nicht nur zahlenmäßig immer kleiner, sondern es ist auch schwierig, Kollegen und Kolleginnen zu gewinnen, die uns unterstützen in unserer ehrenamtlichen Arbeit.

Einige Vorstandskollegen/innen sind bereits seit Jahren im Ruhestand, arbeiten weiterhin immer noch mit, aber auch für Ausfälle durch langfristige Erkrankungen suchen wir Nachfolger/innen. Es gibt immer mehr Themen, die sowohl inhaltlich als auch für die Gesprächsvorbereitung einer sorgfältigen Bearbeitung erfordern. Das können wir mit unserem kleinen Vorstand nicht mit der Güte und Qualität leisten, die für unsere Arbeit kennzeichnend ist.

Wir brauchen hier Unterstützung…..Ihre Unterstützung!

Wir brauchen Ihre Ideen, Ihre Erfahrungen, Ihr Engagement!

 

Zuletzt arbeiteten wir an Stellungnahmen zur neuen ÜSchO und zur VV zur Lehrkräftefortbildung. Wir sind in den ersten Planungsschritten für den nächsten Schulleitungstag. Wir vereinbaren die neue Runde Gesprächstermine mit den Bildungspolitikern und bereiten die Gespräche inhaltlich vor.

 

Es gibt also jede Menge Arbeit und diese Arbeit muss getan werden, damit sich für die Schulleitungen aller Schulen etwas zum Besseren verändert. Und das ist uns außerordentlich wichtig:

Es darf keine qualitativen Unterschiede geben in den Rahmenbedingungen des Leitungshandelns!

Es kann nicht sein, dass es weiterhin Benachteiligungen gibt für kleine Schulen und für manche Schularten!

Wir lehnen das Schubladendenken mancher Verbände, die nur „ihre“ Schulart vertreten, deutlich ab. Der SVR kämpft für die Gleichbehandlung und für echte Gleichwertigkeit in den Ressourcen! Kämpfen Sie mit uns! Denn wenn wir es nicht tun, tut es keiner.

 

Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, über unsere Homepage oder auch über unsere Mailadressen. Sprechen Sie die Vorstandsmitglieder an, wenn welche in Ihrer Nähe wohnen. Es ist jederzeit möglich, an einer Vorstandssitzung teil zu nehmen und die Vorstandsmitglieder kennen zu lernen.

Wir freuen uns auf Sie und Ihr Engagement.

Damit wir aber auch wissen, wo Sie der Schuh drückt, bitten wir Sie herzlich, den Online-Fragebogen (hier) auszufüllen und uns damit zu signalisieren, was Sie als Schulleitungsmitglied bewegt und wo wir uns gemeinsam der Probleme annehmen können.

Eine PDF-Version des Fragebogens finden Sie im Anhang.

Mit herzlichen und kollegialen Grüßen aus der Südpfalz!

Ihre

Ingrid Baumgartner-Schmitt

Vorsitzende SVR

_________________

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Fragebogen zu Schulleitungsanliegen 2017
2017_09_27 Fragebogen SVR 2017.pdf
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SVR-Stellungnahme zum Entwurf einer neuen Fort- und Weiterbildungs-VV

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Stellungnahme zum Entwurf der VV Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften sowie Erwerb von Qualifikationen
2017_09_12 Stellungnahme VV Fortbildung.
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Schulsekretärinnen

Nicht nur sporadisch sollte ein Schlaglicht auf die „Unterstützungskräfte“ an Schulen geworfen werden: Ohne sie geht nichts!
Neben den Hausmeistern sind es vor allem die Schulsekretärinnen, die Anlaufstelle, Ansprechpartnerinnen und Aushängeschild der Schule sind - kurzum der "gute Geist" für Schulleitungen und Lehrkräfte, für Schüler und Eltern.

Immer wieder taucht ein Name auf, wenn es um die Berechnung der Sekretariatsstunden steht: Das WIBERA-Gutachten. Das von einer Beratungsgesellschaft erstellte Gutachten von 1992 bildet in RLP die Grundlage für die Ermittlung des Bedarfs an Sekretariatsstunden. Seitdem veränderten sich die Anforderungen im Schulsekretariat zum Teil sehr, in qualitativer und quantitativer Hinsicht.

Der Landeselternbeirat hat in der u.a. Ausgabe die Grundtabelle und ein fiktives Beispiel für die Berechnung vorgestellt.

 

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